Information unaudited Information ungeprüftMehr als die Summe ihrer Teile
«LLB übernimmt ZKB Österreich», war im Juli 2024 zu lesen. Was als Schlagzeile sehr einfach klingt, ist in Wahrheit ein Prozess, der nicht immer ganz einfach ist. Abgesehen von technischen und rechtlichen Herausforderungen ist er vor allem auf Seiten der «Übernommenen» mit Verunsicherung und ja, auch mit Wehmut verbunden. Zu lesen oder zu hören ist davon allerdings wenig. Das wollen wir ändern. Denn dies ist die Geschichte einer Fusion jenseits von Zahlen und Fakten. Es ist die Geschichte der Mitarbeitenden der ehemaligen ZKB Österreich, die ihr altes Ich zurücklassen mussten, um ein neues Wir zu finden. Niedergeschrieben von einer von ihnen.
Der Sommer 2024 begann mit einer Vorahnung, einem Gerücht. Zwischen Kaffeepausen und E-Mails, Chat-Nachrichten und in Gesprächen auf den Gängen tauchten bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zürcher Kantonalbank Österreich AG erste Fragen auf: «Stimmt es?» «Was heisst das für uns?»
Im Juli bekam die Unsicherheit einen Namen: Der Eigentümerwechsel der Österreich-Tochter der Zürcher Kantonalbank war beschlossene Sache. Mit dem Jahreswechsel würde die in Salzburg und Wien ansässige Privatbank zu 100 Prozent in das Eigentum der Liechtensteinischen Landesbank übergehen. Die Fusion sollte ein neues Kapitel in der erfolgreichen Wachstumsgeschichte der LLB-Gruppe aufschlagen.
Ein erster Anfang
In den Wochen danach kam es zu ersten Begegnungen. Führungskräfte reisten zwischen den Standorten, erklärten, warben, skizzierten das Bild einer gemeinsamen Zukunft. Geschäftspolitisch und betriebswirtschaftlich war ein «perfect match» gefunden. Für die rund 120 Mitarbeitenden der ZKB Österreich dominierte dagegen eine andere Gefühlslage: Verunsicherung.
Hinter den Kulissen wurde die Integration bereits geplant: IT-Systeme, Organisationsaufbau, Unterlagen, rechtliche Strukturen – alles musste zusammengeführt werden. Zeit, um die eigenen Gedanken und Emotionen zu sortieren, blieb kaum. Es war, als würden zwei Filme gleichzeitig laufen – der eine über Prozesse und Pläne, der andere über Gefühle und Fragen.
Begegnungen, die Vertrauen schaffen
Nach und nach wurden immer mehr Personen beider Banken involviert. Die Gesichter neu, die Gespräche zögerlich. Manche suchten Parallelen, andere hielten lieber Abstand. Ein erstes gemeinsames Mitarbeiterfest war ein vorsichtiges Abtasten. Doch genau hier, zwischen Smalltalk und Skepsis, begann das, was später wichtig werden sollte: die Begegnung. Und damit der Anfang von Verständnis.
Im April 2025 zogen die Mitarbeitenden des Wiener Standortes der ZKB Österreich in das Bürogebäude der Liechtensteinischen Landesbank (Österreich) AG. Allerdings noch räumlich getrennt, immer noch als «eine andere Bank». Ein physischer Schritt, der symbolisch für das stand, was sich im Inneren vieler Menschen abspielte: das Loslassen des Alten und das vorsichtige Ankommen im Zukünftigen.

Zusammenkommen und Zusammenwachsen
In dieser Übergangszeit geschah etwas Wesentliches: Menschen begannen, sich zu sehen. Sie entdeckten, wie ähnlich sie in ihren Werten waren – und wie unterschiedlich in ihren Wegen, diese zu leben. Sie lernten, mit der Reibung umzugehen, aus Unterschieden etwas Neues – Gemeinsames – zu schaffen.
Die Gesichter der Menschen am Gang wurden vertraut und die Suche nach Räumen wich Gewohnheit. Die empfindliche Geräuschwahrnehmung ob der schweren Eingangstür in der Hessgasse 1 legte sich, der Schritt in den Lift zu Beginn des Arbeitstages wurde selbstverständlicher und die Pause in der Kaffeeküche eine angenehme Abwechslung. Das neue Logo an der Fassade des historischen Altbaus in der Salzburger Getreidegasse strahlte, als wäre es immer dort gewesen. Die Markenwelt in «Züri-Blau» verblasste zunehmend in eine schöne Erinnerung.
Das neue Wir
Mit dem Abschluss des Geschäftsjahres 2025 ist der Eigentümerwechsel bereits ein Jahr her. Doch der Aufbau einer neuen Identität hat gerade erst begonnen. Im Laufe des ersten Quartals 2026 verabschieden sich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ehemaligen ZKB Österreich. Jene, die bleiben, erschaffen sich Schritt für Schritt eine neue Realität.
Wenn zwei Unternehmen eins werden, entsteht nicht einfach eine grössere Organisation. Es ist mehr als eine Fusion von Systemen und Prozessen. Es ist das Zusammenwachsen von Menschen mit all ihren Stärken und Potenzialen, aber auch Emotionen und Sorgen. Es ist das bewusste Erleben von Veränderung und das Bemühen um die Personen, die nicht mehr «die anderen», sondern «Wir» sind. Und genau die machen diese neue Bank zu dem, was sie ist – nein, was sie sein wird: mehr als die Summe ihrer Teile.